Sizilianisches Lexikon - Von Caltanissetta bis Conca d'Oro

Sizilianisches Lexikon, für die Reise und den Wissenshunger

Caltanissetta liegt im Westen von Sizilien, in einem hügeligen Gebiet. Caltanissetta war ursprünglich eine Siedlung der Sarazenen und wurde von den Normannen 1086 besetzt. Caltanissetta ist Sitz eines archäologischen Museums, welches Bilder aus der Vorgeschichte und Fundgegenstände von Ausgrabungen aus den 50er Jahren präsentiert, einschließlich Vasen und Werkzeuge aus der Bronzezeit und früherer sizilianischer Keramik. Es gibt auch eine Kathedrale aus dem 17. Jahrhundert, die eine Spätrenaissancekirche mit barocken Zügen ist. In der Kirche sind Fresken von Guglielmo Borremans. Westlich von Caltanissetta sind die Ruinen von Castello di Pietrarossa. Insbesondere die westlichen Stadtteile sind sehr arm. Caltanissetta ist Standort eines Lang- und eines Kurzwellensenders des RAI. Der Langwellensender, der im August 2004 stillgelegt wurde, verwendet als Sendeantenne einen 282 Meter hohen abgespannten Stahlfachwerkmast.

Calascibetta. Wildromantisches Bergstädtchen gegenüber von Enna, das sich wie ein Amphitheater an den Abhang drückt.

Caltabellotta. Pittoreskes Bergnest in phantastischer Aussichtslage. Uralte Stadt, wahrscheinlich von Silkanern gegründet; gilt als Heimat des Cocalos, der Dädalus nach seiner Flucht aus Kreta gastfreundlich aufnahm und dessen Töchter den Minos töteten. 1194 war Caltabellotta Zuflucht von Sybille, der letzten Normannenkönigin, und ihrem Sohn Wilhelm, die jedoch vom Staufer Heinrich VI. nach Palermo gelockt und gefangengesetzt wurde. Bekannt ist der Name der Stadt ferner durch den Friedensschluß zwischen Anjou und Aragon (1302).

Caltagirone. «Königin der Berge», Barockstädtchen auf drei Bergen, Zentrum der sizilianischen Keramikindustrie mit einer sehr schönen gekachelten Monumentaltreppe, die an hohen Feiertagen (letztes Maidrittel) und am Jakobsfest (23. bis 25. Juli) eindrucksvoll beleuchtet ist.

Karte von Caltagirone

Capo d'Orlando (11 948 Ew.), Ferienortschaft an der thyrrenischen Küste westlich von Capo d'Orlando. Interessant ist die Besichtigung der Reste der Burg aus dem 14. Jh., des Heiligtum Maria Santissima, auf dem Vorgebirge, und des Rathauses in dessen Pinakothek Werke zeitgenössischer Künstler ausgestellt sind. In San Gregorle, im Gebiet von Bagnoll, sind 1987 die ersten Überreste einer Thermalquelle einer römischen Villa aus dem 3.4. Jh. n.Chr. ausgegraben worden.

Carretti. Hohe, hölzerne zweirädrige Karren, üppig verziert mit Schnitzereien und bunter Bemalung: Heilige, Figuren aus dem Rolandsepos, Garibaldis Freiheitskampf und populäre Opern oder Filme. Die seit Mitte des vorigen Jahrhunderts auf Sizilien verbreiteten Carretti sind mittlerweile durch die «Api», motorisierte Dreiradwagen, abgelöst worden.

Carla del Ponte (*1947 in Bignasco, TI) ist eine Schweizer Rechtsanwältin und Richterin. Seit September 1999 ist sie als Chefanklägerin am UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag tätig. Carla del Ponte studierte internationales Recht in Bern, Genf und Großbritannien. Ab 1972 arbeitete del Ponte in einer Rechtsanwaltspraxis in Lugano, 1975 gründete sie ihre eigene Kanzlei. 1981 wurde sie Staatsanwältin des Kanton Tessin. Ihr kompromissloses Vorgehen gegen Geldwäsche, organisierte Kriminalität, Waffenschmuggel und grenzüberschreitende Wirtschaftskriminalität trug ihr den Spitznamen Carlita la pesta (Carlita, die Pest) ein. 1994 wurde sie zur Bundesanwältin der Schweiz berufen. Die gebürtige Tessinerin arbeitete eng mit dem später ermordeten italienischen Richter Giovanni Falcone gegen die Mafia zusammen und entging 1989 im Ferienhaus Falcones bei Palermo nur knapp einem Sprengstoffanschlag. Sie ermittelte auch wegen Geldwäsche und Korruption im engeren Umkreis des früheren russischen Präsidenten Boris Jelzin und gegen den Bruder des mexikanischen Ex-Präsidenten Salinas. Im Herbst 1999 übernahm sie den Chefposten in Den Haag und die Zuständigkeit für das Ruanda-Tribunal in Arusha. Als Anklägerin war sie unter anderem für die Zusammenstellung der Anklagen gegen Kriegsverbrecher in Ruanda, später im Jugoslawischen Bürgerkrieg zuständig. 2002 erhielt die Schweizerin für ihre "couragierte Arbeit" den Westfälischen Friedenspreis.

Castelmola. Malerisches Dörfchen mit wunderschönem Ausblick, etwa fünf Kilometer über Taormina: Serpentinenstraße, Wanderweg auf alten gepflasterten Eselspfaden. Unbedingt besuchen: das «Caffè Giorgio» mit traumhaftem Belvedere, einer Autographen-Sammlung und dem besten Mandellikör (Vorsicht!).

Catania. Betriebsame, laute Provinzhauptstadt am Fuß des Atna, wichtiger Hafen und Flughafen für ganz Ostsizilien. 729 v.Chr. als griechisches Katene gegründet; nach Lavaströmen und Erdbeben mehrmals neu erbaut: nach dem Beben von 1693 barock, aber in düsterem Lavagestein. Wappentier ist der schwarze Lavaelefant, der vor dem Dom Sant' Agata steht. Die Heilige erlitt 251 hier das Martyrium, ihr weihten die Normannen den Dom, der nach dem Erdbeben von 1693 barock erneuert wurde. Das Castello Ursino, das 1239 bis 1250 von Kaiser Friedrich II. erbaut wurde, ist eins der seltenen Beispiele staufischer Baukunst auf Sizilien (Kaiseradler mit einem Hasen in den Fängen über dem Nordportal). Es war später Sitz der aragonesischen Könige und birgt heute das Museo Comunale. Ursprünglich stand es direkt am Meer, wurde aber 1669 von Lavaströmen umflossen, jedoch nicht zerstört da eine Prozession mit dem Schleier der heiligen Agathe den Strom abgelenkt hatte, der vier Monate nach dem Ausbruch erst zum Stillstand kam. Catania ist Heimat des Schriftstellers Giovanni Verga und des Komponisten Vincenzo Bellini.

Karte von Catania

Karte der Provinz Catania

Cefalù. Thermalquelle mit (noch intakten) arabischen Bädern aus dem 11. Jahrhundert, etwa 27 Kilometer südöstlich von Palermo. Cefalù ist bekannt vor allem durch den Blick über die Bucht auf den Normannendom und den Felsen der Rocca (Festung), der fast wie ein Kopf aussieht und daher der Stadt ihren Namen gab (griechisch Kephalos Haupt). Der Dom ist (neben Monreale) eine der prächtigsten Kirchen der Normannen; Roger II. ließ ihn als Grablege ausstatten: besonders prächtige byzantinische Mosaiken, Porphyrsarkophage, die aber später in Palermo die Stauferkaiser aufnahmen. In der malerisch winkligen, fast levantinisch anmutenden Altstadt ein kleiner Fischerhafen. ein öffentliches Waschhaus aus arabischer Zeit und das Museo Mandralisca. Auf dem «Kopf» die Reste eines archaischen Tempels des 9. Jahrhunderts sowie weitere Heiligtümer und Befestigungen aus allen Epochen - und ein herrlicher Ausblick.

Circolo sind die traditionellen ausschließlich den Männern vorbehaltenen Treffpunkte der Sizilianer - eine Einrichtung, den britischen Klubs vergleichbar und nach Parteien, Gewerkschaften, Zünften, Hobbys gegliedert. Die Kasinos sind wichtige Entscheidungsorte der Lokalpolitik.

Conca d'Oro. So heißt die fruchtbare Ebene, die Palermo umgibt. Sie wird umschlossen vom Halbkreis der Berge Monte Pellegrino im Nordwesten, Monreale im Süden und Monte Grifone im Osten. In der Conca d'Oro (wörtlich: Goldene Muschel) ist der Boden besonders gut; zusammen mit dem natürlichen Hafen bot sich die «Goldene Muschel» geradezu ideal bereits im 3. Jahrtausend zur Besiedlung an.